Synagogenchor Zürich singt in Moskau und Minsk (November 1989)


Im November 1989 kam es in der damals noch existierenden UdSSR zu zwei denkwürdigen Auftritten des Zürcher Synagogenchores. Edi Pluznik, Sänger und Intendant des Chores, war es im Sommer 1989 dank tatkräftiger Unterstützung der Aktion für die Juden in der Sowjetunion AJS gelungen, mit dem jüdischen Kulturverein Moskau in Kontakt zu treten und die Konzerte in Moskau und Minsk zu organisieren. Wenige Tage nach dem Fall der Berliner Mauer kamen über 1300 Personen in das berühmte Moskauer Haus der Gewerkschaften (gemäss Wikipedia mit der New Yorker Carnegie Hall zu vergleichen), um Gesänge aus der jüdischen Liturgie sowie jiddische Folklore zu hören. Die vollständig ausverkaufte Veranstaltung – mehrere hundert Personen warteten vergebens vor dem Gebäude auf Einlass - war das erste offizielle jüdische Konzert in der sowjetischen Hauptstadt seit Menschengedenken. Zu Beginn des Konzertes war die Resonanz des Publikums, darunter etliche hochdekorierte jüdische Weltkriegsveteranen der Roten Armee, höflich aber etwas zurückhaltend. Die warme Baritonstimme von Chasan Bernard San, die dank der überragenden Akustik wundervoll zur Geltung kam, brach aber das Eis und erreichte insbesondere mit jiddischen Volksliedern die Herzen der Zuhörer. Am Ende des Konzertes sangen Chor und Publikum gemeinsam die Hatikwa, notabene mitten in der Hauptstadt der damals nach wie vor strikt antiisraelischen Sowjetunion. Der denkwürdige Abend wurde unter dem Schutz der Perestrojka und im Kontext der welthistorischen Veränderungen jener Wochen zu einer eindrücklichen politischen Manifestation für die jüdische Kultur und die Verbundenheit mit Israel. In den folgenden Monaten und  Jahren brach die UdSSR endgültig zusammen und hunderttausende Juden verliessen das Land in Richtung Israel, Deutschland oder andere Destinationen. Diese Entwicklung liess sich im November 1989 allerdings erst erahnen.


Video-Dokumentation von Sydney Weill zur Konzertreise nach Moskau und Minsk: